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Pfarrkirche St. Joseph Zum Seitenende

Als das Erzbistum Köln im Jahre 1995 in der Kirche Groß St. Martin die Architektur-Ausstellung "Glaube und Raum" veranstaltete, wurde dort die Pfarrkirche St. Joseph als einer der gelungenen Kirchenbauten der 1950er Jahre vorgestellt. Mittlerweile steht die schöne Anlage mit der Kirche als Herzstück unter staatlichem Denkmalschutz, und dies zu Recht, denn das moderne Architektur-Konzept nimmt deutlichen Bezug auf die einfachen Bauformen der frühen Romanik und somit die Geschichte des Christentums.

Die Gemeinde St. Joseph feierte im Jahre 2002 ihr 45-jähriges Jubiläum. Bereits am 12. Februar 1954 schuf die Siegburger Pfarre St. Anno die Voraussetzung für die Gründung einer Tochter-Pfarre. Sie erwarb von der Stadt ein Grundstück auf dem Brückberg für den Bau eines Pfarrzentrums. Am 13. April 1955 beschloss der Kirchenvorstand von St. Anno die Errichtung dieses Zentrums nach einem Entwurf des Godesberger Architekten Stephan Leuer. Der Grundsteinlegung am 18. März 1956 folgte genau ein Jahr später die Konsekration des neuen Gotteshauses. Am 1. Oktober 1957 wurde die Tochterpfarre mit ihren 2.700 Gemeindemitgliedern zur selbstständigen Rektoratspfarre St. Joseph erhoben.

Der Grundriss zeigt die weitläufige Anlage des Pfarrzentrums: Im Kern befindet sich das Gotteshaus, an das sich im Norden und Süden jeweils zwei Flügel nach Westen und Osten hin anschließen. In diesen sind das Gemeindezentrum, das Pfarrbüro, der Kindergarten sowie eine Dienstwohnung untergebracht. Die eingeschossigen Gebäudearme, erbaut zwischen 1958 und 1962, umschließen im Westen einen großen Platz und im Osten eine Grünfläche mit Baumbestand, in der der freistehende Glockenturm, der „Campanile” steht. Alle Gebäude sind in rotem Backstein errichtet und mit Satteldächern gedeckt.

Der hohe Mittelteil der Westfassade mit seiner Fensterrose ragt weit in den Vorplatz hinein. Angesichts der zurückspringenden südlichen und nördlichen Fassadenteile entsteht zunächst der Eindruck, als habe der Betrachter eine dreischiffige Basilika – eine der Urformen des christlichen Kirchenbaues – vor sich. Doch wie ein Blick in das Innere zeigen wird, täuscht dieser Eindruck. Auffallend an der Fassade ist die Gliederung durch zahlreiche Rundbogenfenster und das große Rundbogenportal, das an die einfachen Bauformen der Frühromanik erinnert.

An der Südseite ebenso wie an der Nordseite stützen schmale „Pfeiler” das tief heruntergezogene und weit überkragende Dach des Gotteshauses. Zwischen allen „Pfeilern” befindet sich jeweils eine Doppelreihe von kleinen Rundbogenfenstern, die das Tageslicht in den Kirchenraum lenken. Im Osten erhebt sich der fünfeckige fensterlose Chor, der ähnlich wie der Mittelteil der Westfassade weit in die Grünanlage hineinragt. Einige Meter vom Gotteshaus entfernt, jedoch genau auf der West-Ost-Achse der Anlage steht der runde „Campanile”, dessen Schalllöcher ebenfalls die Form einfacher Rundbogenfenster haben.

Der Innenraum ist entgegen dem Eindruck von Außen nicht in Schiffe unterteilt. Die ockerfarbenen Bodenfliesen, das Rot der Ziegel und die einfache Holzdecke verleihen ihm eine Atmosphäre der Konzentration und Besinnlichkeit. Die durch drei Stufen erhöhte Altarzone reicht weit in den Kirchenraum hinein und wird im Osten durch das Halbrund des Chores abgeschlossen. Obwohl der Architekt die Kirche im Jahre 1955 entwarf, entspricht das Konzept bereits der Liturgiekonstitution des II. Vatikanischen Konzils (1962 – 1965).

Im Mittelpunkt des Altarraumes befindet sich die Altarmensa. Über ihr hängt ein kleines silbernes Kruzifix, das mit Bergkristallen verziert ist. Im Scheitelpunkt des Chores ruht auf einem zweistufigen Sockel das Sakramentshaus, in dem der Tabernakel seinen Platz hat. An der Wand nördlich des Chores ist eine ovale Nische aus Sandstein angebracht, die eigens für die bekrönte Statue der Maria geschaffen wurde.

Im Westen des Innenraumes, gegenüber der Altarzone, liegen die Orgelempore und darunter die Taufkapelle. Das Zentrum der Taufkapelle bildet ein Dreieck, das von grauem Stein gerahmt wird und eine Stufe tiefer als der Fußboden liegt. In dieser abgegrenzten Zone steht das Taufbecken, das in seiner Gestalt mit dem Gemeindealtar korrespondiert. An der südlichen Wand der Taufkapelle eine Eichenholz-Skulptur des Namenspatrons der Kirche: Joseph hört gerade mit sinnend gebeugtem Kopf, was die Engel des Herrn zu ihm sagen: Es ist der Augenblick, in dem sich seine Zweifel zerstreuen. Gegenüber der Skulptur des Nährvaters Jesu hält eine farbig gefasste Pietà den Gekreuzigten auf ihrem Schoß.

Die zunächst spärlich erscheinende Ausstattung von St. Joseph harmoniert in beeindruckender Weise mit den einfachen Bauformen des Gotteshauses. Dies gilt nicht zuletzt für die Fenster: Die kleinen Rundbogenfenster, die wie „Lichtnischen” wirken, sind durch ebenso einfache wie wirkungsvolle Ornamente strukturiert. Damit verstärkt die – in gewissem Maße archaische – Architektur die Konzentration der Gemeinde auf die Feier der Eucharistie und das Vertrauen auf die Zusage Jesu: "Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen".

(Quelle: Erzbistum Köln, www.kirche-des-monats.de, Fotos und Text: Dr. Christian Frommert)

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